Jonathan

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568 km von Zuhause entfernt
#iamamigrant
"Migrant zu sein bedeutet, ich selbst zu sein.”
Jonathan
Beschäftigung: 
Writer / Translator
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Belgien
Herkunftsland: 
Vereinigtes Königreich

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"Ich habe in meinem Leben in sechs Ländern gelebt und spreche drei Sprachen. Als ich hierher kam, suchte ich nach einem Ort, an dem ich ehrgeizig, kreativ und sozial vernetzt sein konnte.

Ich dachte Gent sei eben so gut wie jeder andere Ort, um mein Leben nach der Universität zu starten und jetzt, nach sechs Jahren, bin ich noch immer hier. Ich habe hier meinen Stamm gefunden, in der Kunsthochschule. Ich habe offenherzige, aufgeschlossene und interessante Menschen getroffen. Sie haben mir eine Kultur in Belgien gezeigt, die gut zu mir passte. So konnte ich eine echte Beziehung zu dem Land und der Stadt in der ich lebe aufbauen. Menschen sind eindeutig der Schlüssel dazu. Jetzt habe ich hier meine sozialen Wurzeln geschlagen.

Nach Belgien zu ziehen war für mich etwas Besonderes, weil es das erste Mal war, dass ich das Gefühl hatte, meine Identität hinge nicht so sehr von meiner Vergangenheit, meiner Umgebung und anderen Menschen ab. Dieser Neuanfang war, was ich brauchte. Ich habe mich hier zum ersten Mal verliebt, hatte meinen ersten richtigen Job hier und konnte meine künstlerischen Ambitionen erkunden.

Ich fühle mich wie ein Außenseiter, aber ich habe mich immer schon so gefühlt, weil ich mit meiner Familie dauernd umgezogen bin, seit ich zehn Jahre alt war. Für mich ist dieses Gefühl normal. Aber jetzt nehme ich es an. Das Ergebnis ist, dass ich nicht dazu neige, mir Sorgen darum zu machen, anders zu sein, politisch oder auch sonst. Ich esse anders, denke anders und habe keine Angst davor, strittig zu sein.

Ich fühle mich nicht so, als hätte ich eine geographische Heimat: Ich bin in Wales geboren, aber meine Eltern kommen nicht von dort. Desto länger ich weg bin, desto mehr entfremde ich mich von der britischen Kultur. Mein Akzent hat sich auch über die Jahre verändert und Briten wissen oft gar nicht, dass ich von dort komme.

Ich freue mich, zur sozialen Diversität in Gent beizutragen. Vielfalt macht die Welt ein kleines bisschen größer für uns alle. Die Einheimischen nutzen gern ihr Englisch, wenn sie mit mir sprechen. Außerdem habe ich einen Job, den nur ein Englisch-Muttersprachler machen kann: Ich übersetze niederländische Texte ins Englische für Museen, Kunstgalerien, Kunstcenter und Künstler, hier in Belgien und in den Niederlanden.

Migrant zu sein bedeutet, ich selbst zu sein. Nicht von hier zu stammen, erhöht mein Bewusstsein dafür, wieviel schwerer es für andere Menschen ist. Ich denke es macht einen verständnisvoller für andere Außenseiter."

Dies ist eine Geschichte von Christine Strotmann

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