Ibtissam

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Photo credit: Mathias François

504 km von Zuhause entfernt
#iamamigrant
"Migration kann doch nicht bedeuten in ein Land zu ziehen, um dann genauso zu werden, wie die Menschen dort."
Ibtissam
Beschäftigung: 
Kaufmännische Angestellte
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Frankreich
Herkunftsland: 
Belgien

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„Mein Vater ist in den 1960er-Jahren nach Europa gegangen. Wir haben aber mit meinen Eltern selten darüber gesprochen. Es war einfach normal damals - in Marokko gab es keine Arbeit, also gingen die Männer nach Europa.“

„Ich selbst bin zwar in Brüssel geboren, war aber 16 Jahre lang Marokkanerin. Dann haben meine Eltern die belgische Staatsbürgerschaft angenommen, und somit auch ich. Mit 27 ging ich dann für fünf Jahre nach Deutschland und vor drei Jahren nach Frankreich. Ich empfinde das hier in Europa aber kaum als Migration.“

„Jetzt fühle ich mich immer noch ein bisschen marokkanisch, aber früher war das stärker. Meine Eltern sehen sich als Halbbelgier, ich nehme mich eigentlich als Belgierin wahr.“

„Es ist aber schon interessant, immer diese Frage: Woher kommst du. Hier in Frankreich wird oft angenommen, dass ich aus Algerien oder Tunesien komme, weil ich so aussehe. Wenn ich Belgien sage, fragen die Menschen immer noch einmal nach. Dieses: ‚Ja, aber woher kommst du eigentlich?‘, das ist unangenehm.“

„Ich bin in Brüssel in einem Migrantenviertel aufgewachsen. Ich habe schon früh gemerkt, dass wir alle Migranten waren, aber auch, dass es auch dort Unterschiede gab. Ich war in einer katholischen Schule, und ich fühlte mich von den Lehrern abgelehnt. Es gab drei Gruppen: Erstens die weißen belgischen Kinder, zweitens die katholischen Kinder aus anderen europäischen Ländern und drittens uns. Gegen uns gab es oft offenen Rassismus.“

„Ich habe erst später gelernt, dass ich für andere Menschen nicht ‚weiß‘ bin. Für mich war als ich jünger war klar, dass ich weiß bin. Es gab schwarze Menschen und weiße Menschen. Schwarz war ich nicht, also musste ich weiß sein. Aber so nahmen mich die anderen Menschen auch nicht wahr. Also bin ich wohl eine PoC – eine Person of Colour.“

„Es hat lange gedauert, aber als ich es akzeptiert hatte, hat es mir geholfen, zwei Kulturen gut zu kennen. Ich fühle mich offener, akzeptiere andere Länder einfacher und da ich bilingual bin, konnte ich weitere Sprachen leichter lernen.“

„Ich verstehe nicht, was die Leute meinen, wenn sie von Integration sprechen. Ich glaube eigentlich meinen sie, dass wir so ähnlich wie möglich zu den Menschen sein sollen, deren Familien schon länger hier sind. Nur: selbst wenn man es probiert, dieselbe Sprache spricht, dasselbe Essen isst und alles macht wie sie - man wird nie gut genug sein, und am Ende immer noch anders aussehen. Migration kann doch nicht bedeuten in ein Land zu ziehen, um dann genauso zu werden, wie die Menschen dort.“

„Es ärgert mich, wenn Migranten vermittelt wird, dass ihre Rechte Privilegien sind, die ihnen eigentlich nicht zustehen. Erst einmal müssen alle Menschen dieselben Rechte auch wirklich haben und ohne Vorurteile behandelt werden. Man muss kein Schwein essen und Wein trinken, um Französisch oder Belgisch zu sein.“

Dies ist eine Geschichte von Christine Strotmann. 

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