Alissa

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Photo: Christina Strotmann

5,972 km von Zuhause entfernt
"Meine Oma versteht nicht, warum ich hier bin. Sie ist vor den Nazis geflohen.“
Alissa
Beschäftigung: 
Studentin
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Vereinigte Staaten

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„Ich bin mit den ganzen Nazi-Stereotypen aufgewachsen. Obwohl ich Deutsch gelernt habe und wusste, dass es nicht mehr 1944 ist, war ich trotzdem überrascht, dass ich mich so wohl gefühlt habe. Also sofort einfach so gemütlich.“

„Ich war das erste Mal 2008 als Austauschstudentin in Deutschland, und dann 2010 als Au-Pair und dann wieder seit 2012 für mein Masterstudium.“

„Meine Oma kommt aus Berlin, aus Friedrichshain und mein Opa aus Österreich. Sie sind beide vor den Nazis geflohen, als sie jung waren. Ich bin mit ihnen groß geworden und wusste immer, die reden mit Akzent, aber es wurde nie besprochen. Ich bin erzogen worden mit diesem Deutschland-Feindbild. Nazis. Punkt. Und ganz, ganz viel Holocaust-Geschichte. Und dann, als ich mit der Uni angefangen habe, wollte ich meine Familie ärgern, oder das Gespräch vorantreiben, und Deutsch angefangen. Da ist die Hölle ausgebrochen. Inzwischen haben mich meine Eltern hier auch schon besucht. Meine Oma versteht nicht, warum ich hier bin. Unsere Gespräche enden wirklich immer mit: ‚Heirate keinen deutschen Mann‘. Naja, so ist es halt. Sie ist 90 Jahre alt.“

„Ich hatte nur zwei Jahre Deutschunterricht hinter mir, als ich in Deutschland angekommen bin und dann war ich auf einmal an der Uni und musste alles auf Deutsch machen. Ich konnte kaum einen Satz über die Lippen bringen und das war mega-peinlich.“

„Man merkt, dass man als weiße, weibliche Amerikanerin bei der Ausländerbehörde privilegiert ist. Wobei wenn mein Nachname aufgerufen wird, der eindeutig jüdisch ist, gibt immer diesen lustigen Moment: Ich weiß, dass du weißt, dass ich weiß…und ich kann das sehen in den Augen der Menschen. Aber ich erwarte das inzwischen, das war nie schlimm. Diesen ‚Aha-Moment‘, dieses ‚Oh, geht’s dir gut in Deutschland‘, dieser kleine ‚Sorry‘-Moment.“

„Die Kultur, in der ich aufgewachsen bin, hat viel weniger Grenzen. Dort ist es mehr so: ‚Schauen wir mal, wir probieren es einfach‘. Ich hoffe, dass meine Bereitschaft dazu manchmal hilfreich ist.“

Sollte Alissa ja nach Kalifornien zurückkehren, dann weil ihr ihre Familie fehlt, und das Lebensgefühl der Freiheit. Heimat bedeutet für sie: „Einfach Liebe“.

 

Diese Geschichte ist von Christine Strotmann

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