Denijen

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Foto: Peter Käser

859 km von Zuhause entfernt
„Ich musste sehr schnell aktiv werden und mich nicht fallen lassen und jammern.“
Denijen
Beschäftigung: 
Autor
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Serbien

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„Als 18-Jähriger bin ich illegal in Deutschland eingereist. Ich bin wegen des Krieges geflohen. Ich war bereits gemustert worden und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann ich ins Militär eingezogen werde. Um dem zu entgehen bin ich hierher gekommen.“

„Allgemein von der Gesellschaft habe ich mich nicht gut aufgenommen gefühlt, aber von den Gleichaltrigen schon, die haben mich schnell aufgenommen.“

„Anfänglich war ich in Deutschland total verwirrt und verloren, da ich ohne meinen Freundeskreis und ohne Sprachkenntnisse hier war. Ich musste sehr schnell aktiv werden und mich nicht fallen lassen und jammern. Ich habe schnell die Sprache gelernt, mich um das Studium bemüht und schon bald meinen ersten Kurzfilm gedreht, obwohl ich immer noch im Asylheim gelebt habe.“

„Ich war flexibel und spontan, hatte viel Ausdauer und viel Optimismus. Und ich habe daran geglaubt, dass ich als Künstler hier etwas beitragen kann.“

„Hier vermisse ich die Flexibilität und Lockerheit der Menschen. Das habe ich von Anfang an vermisst. Ich habe wohl gemerkt, dass hier alles sehr gut organisiert ist, dass sich die Leute viel Mühe geben und sehr tüchtig sind. Aber sie haben auch sehr viel Angst. Ich kam aus einem kriegsgebeutelten Land mit vielen Problemen und Krisen, hatte aber das Gefühl, dass die Menschen dort viel mehr Freude am Leben hatten.“

„Ich bin komplett verloren zwischen zwei Welten. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich weder hier zu Haus bin noch in Serbien, wo ich herkomme. Das war für mich ein befreiendes Gefühl. Ich könnte mir genau so gut vorstellen mit meiner Familie weiter zu ziehen in ein weiteres Land. Irgendwie ist mir die Heimat verloren gegangen, aber ich empfinde das nicht als einen Verlust, eher als eine Befreiung. Wenn ich irgendwo bin und es mir mit den Menschen gut geht mit denen ich es zu tun habe, fühle ich mich zu Hause. Das kann überall sein.“

 

Notiert und fotografiert von Peter Käser, www.peterkaeser.ch

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