Emilia

Primary tabs

Foto: Peter Käser

483 km von Zuhause entfernt
„Im Ausland bin ich sehr stark geworden, viel stärker, als wenn ich zu Hause geblieben wäre.“
Emilia
Beschäftigung: 
Dozentin für Deutsch als Fremdsprache
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Slowakei

Teile diese Geschichte:

„Schon während dem Gymnasium habe mir gesagt, wenn es irgendwann eine Möglichkeit gibt zu reisen, werde ich das machen. Und dann kam die Wende. Weil wir nur wenig Geld hatten, war die einzige Möglichkeit als Au-pair ins Ausland zu gehen. Meine Mutter hat England vorgeschlagen. Es fiel mir schwer wegzugehen, aber ich dachte, ich kann ja wieder zurück kehren. Ich wollte was Neues, was Besseres, was Aufregendes erleben.“

„Die Begrüßung in London war irritierend. Ich wurde vom Chauffeur der Familie abgeholt. Zu meiner großen Enttäuschung gab es nach der langen Reise bei meiner Ankunft kein Willkommensessen, sondern man zeigte mir lediglich wo der Toaster ist und ich musste mir selber ein Toastbrot machen.“

„Ich habe dort im Luxus gelebt, aber für mich war das ein kaltes Land und eine kalte Familie. Man kannte nicht einmal die Nachbarn. Das war in der Slowakei ganz anders, dort hat man ganz unkompliziert mit allen verkehrt. Hier hat man seine Arbeit gemacht, war nett zueinander und fertig. Trotzdem blieb ich zwei Jahre.“

„Wieder zurück in der Slowakei arbeitete ich in einem Reisebüro. Der Chef sagte mir, wenn ich neben Englisch auch noch Deutsch könnte, würde ich mehr verdienen. Ein Jahr Deutschland würde reichen um die Sprache zu lernen. Wieder ging ich als Au-pair, blieb wieder zwei Jahre bei der gleichen Familie, die mich sehr gefördert hat.“

„Die Menschen erlebte ich freundlich und hilfsbereit, aber auch irgendwie isoliert, nicht so gesellig wie ich es gekannt habe. Meine Au-pair Familie war sehr wohlhabend und lebte deshalb ziemlich abgeschottet. Weil ich danach begann zu studieren, erhielt ich eine Aufenthaltsbewilligung. Während dem Studium habe ich einen Migranten aus der Slowakei geheiratet. Trotzdem habe ich mein Germanistikstudium abgeschlossen. Eigentlich wollte ich mit diesem Abschluss in der Heimat deutsch unterrichten.“

„Im Ausland bin ich sehr stark geworden, viel stärker, als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Hier musste ich kämpfen, nichts wurde mir geschenkt.“

„Den Neuankömmlingen empfehle ich die Augen und Ohren offen zu halten um zu erkennen was die Unterschiede sind zwischen hier und ihrem Herkunftsland. Und sie sollen sich überlegen, was sie machen können, damit sie wirklich in die Gesellschaft rein kommen. Sie dürfen sich nicht verkriechen und nur unter sich bleiben.“

 

Notiert und fotografiert von Peter Käser, www.peterkaeser.ch

Related Sustainable Development Goal(s):

 

https://together.un.org            http://usaim.org/            https://sustainabledevelopment.un.org