Idil

Primary tabs

Foto: Christine Strotmann

back home
"Ich bin Migrantin, weil meine Eltern hier eingewandert sind, aber eigentlich bin ich doch Mensch."
Idil
Beschäftigung: 
Kabarettistin
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Deutschland

Teile diese Geschichte:

„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich ein Aufklärungsgespräch hatte zum Thema: Guck ma, du bist Migrant. Meine Eltern haben mir zu diesem Thema nicht wirklich was mitgegeben. Bei uns war der Fokus immer auf dem Charakter.“

„Ich hab schon früh das Gefühl gehabt, dass 'Migrant' die einzige Rolle ist, die ich hier habe – weniger, dass ich mir diese Rolle aussuchen durfte. Und irgendwann hab ich dann gesagt: Na gut, ihr wollte euren Kanaken, dann kriegt ihr den auch - dann will ich den aber auch bezahlt haben.“

„Jetzt gehe ich auf Bühnen, da hab ich eine halb kabarettistische, halb komödiantische Figur und bringe die Leute zum Lachen, sorge also für Ihre Gesundheit. Aber nebenbei engagiere ich mich noch in Schulen und mach eigentlich alles, was mit Rassismus und Migrant-Sein zu tun hat. Ich bin also Teil dieser Migranten-Maschinerie.“

„Einer meiner Tipps ist: Wenn du dich unwohl fühlst unter Deutschen, dann sprich Englisch, weil du damit eine Distanz schaffen kannst, und zugleich eine Deutungshoheit hast über deine eigene Identität. Du bist derjenige der bestimmt, welche Sprache du mit wem sprechen möchtest. Für Distanz und Abgrenzung. Das Problem bei Rassismus ist ja, dass der Privilegierte sich die Deutungshoheit nimmt, Grenzen überschreitet, zu viele persönliche Fragen fragt.“

„Es ist spannend zu sehen, dass Rassismus, oder die Bewertung von unserem Aussehen überall das gleiche ist, nur mit einer anderen Geschichte, mit anderen Protagonisten. Anders Aussehende werden anders eingeordnet. Und das bemängele ich am meisten, dass wir nicht bereit sind, das Beste in dem Anderen zu sehen.“

„Ich bin viel unterwegs und Heimat ist wirklich da, wo Menschen sind, die ich liebe. Ich finde es sehr absurd immer noch so in Staaten zu denken. Wenn du die Erde von weitem ansiehst, dann ist das alles der gleiche Ort. Ich würde am liebsten auch gar nicht mehr sagen, dass ich Migrant bin in dem Sinne. Natürlich, so wie ich in der Gesellschaft aufgestellt bin, bin ich Migrantin, weil meine Eltern hier eingewandert sind, aber eigentlich bin ich doch Mensch.“

Diese Geschichte ist von Christine Strotmann.

Related Sustainable Development Goal(s):

 

https://together.un.org            http://usaim.org/            https://sustainabledevelopment.un.org