Katarina

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Photo credit: Carla Hustedt

1,179 km von Zuhause entfernt
"Was ich vor allem vermisse, ist der montenegrische Humor. Wir sind einfach fast immer sarkastisch und ironisch."
Katarina
Beschäftigung: 
Trainee im Bereich Public Affairs und Corporate Communications
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Montenegro

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„Mein Name ist Katarina, ich komme aus Montenegro und lebe seit März 2013 in Deutschland.“ „Leider wurde ich in der Zeit hier immer wieder mit Stereotypen gegenüber dem Balkan konfrontiert. Ein kluger Mann hat mir einmal gesagt „Alles was östlich von Berlin ist, gilt in Deutschland als Scheiße“. Und das stimmt schon, man musste immer hundertmal besser sein als der Beste um überhaupt wahrgenommen zu werden.“

„Ich habe in diesem Zusammenhang eine Interessante Beobachtung gemacht: Wenn mich die Leute fragen wo Montenegro liegt, und ich sage „bei Italien und Kroatien“, dann reagieren sie super positiv und reden über das schöne Wetter. Wenn ich aber sage „Ex-Jugoslawien, Serbien, Albanien, Kosovo“ dann werden sie ganz still und haben auf einmal keine Fragen mehr. Ich teste das gerne aus.“

„Alles was es hier in Berlin gibt, gibt es bei uns auch. Kleine Unterschiede merke ich im Alltag natürlich trotzdem. Was ich vor allem vermisse, ist der montenegrische Humor. Den gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Wir sind einfach fast immer sarkastisch und ironisch.“ „Als ich über Weihnachten Zuhause war, saßen wir zu 10 am Tisch, alle trinken mittags schon Jägermeister oder Wein und es wird die ganze Zeit gelacht. Bis nachmittags um 4 sind alle besoffen, dann geht man nach Hause, trinkt schläft und kommt wieder zurück ins Café. Auf Dauer würde mich das verrückt machen. Nicht alle, aber viele Montenegriner sind ein bisschen faul. Das ist ein Stereotyp der einfach stimmt. In diesen Runden werden auch immer so typische Montenegrinische Geschichten über Politik auf den Tisch gepackt. Bei uns kennt einfach jeder Jeden. Wir sind ja nur 620.000 Leute.“

„Ich merke, wie ich Stück für Stück immer Deutscher werde. Wenn es in Montenegro eine Deadline am 1.Februar gibt, kannst du froh sein, wenn du es am 1.März fertig hast. Hier hat man es schon am 20.Januar fertig. Das finde ich echt toll. Deshalb versuche ich auf der Arbeit so Deutsch zu sein wie möglich aber in meinem Alltag montenegrinisch zu bleiben. Getrennt zahlen im Cafe zum Beispiel, das ist so Deutsch und das werde ich mir nie angewöhnen. “ „Früher war Zuhause da wo ich Party machen konnte, wo ich das Leben entdecken konnte. Im Moment ist Zuhause für mich ein Ort wo ich lernen kann, durch Arbeit und durch Lebenserfahrung. Irgendwann, wenn ich zurückkehre nach Montenegro und eine Familie habe wird es auch Komfort heißen.“ Interview von Carla Hustedt

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