Niloofar

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„Hier in Deutschland werde ich als Frau aus dem Mittleren Osten wahrgenommen. In Indien war ich die Weiße.“

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„Ich heiße Niloofar, bin 30 Jahre alt und komme aus dem Iran. Mein Zuhause im Iran habe ich in 2005 verlassen. Seitdem bin ich nur zurückgekehrt, um meine Familie zu besuchen.“

„Als ich das erste Mal von Zuhause weg zog war ich gerade mal 19 Jahre alt und bin zum Studium nach Indien gegangen. Ich habe kein Zuhause im Iran mehr. Ich hatte eine tolle Zeit in Indien, für über sieben Jahre. Aber es ist auch nicht Zuhause. Und nun bin ich seit über zwei Jahren in Berlin. Doch auch hier ist nicht Zuhause.“

„Ich bin in einer Art Schwebe. Deshalb ist Zuhause dort, wo ich glücklich und entspannt bin.“

„Als ich nach Berlin gekommen bin, waren es gerade Weihnachtferien, sehr kalt und alle Läden waren geschlossen, der Himmel war grau. Eine etwas traurige Stimmung.“

„Seltsamerweise hatte ich sofort das Gefühl, als würde ich Berlin kennen, als wäre ich schon mal hier gewesen, was nicht der Fall ist. Ich war vorher noch nie in Europa. Dennoch, ich hab mir gedacht ‚Das habe ich alles schon mal gesehen‘.“

„Es gibt immer Momente, wo man das Gefühl hat, dass Leute einen nicht mögen. In Deutschland sehen die Leute, dass ich keine Europäerin bin. Hier werde ich als Frau aus dem Mittleren Osten wahrgenommen. In Indien war ich die Weiße.“

„Beides hat Vor- und Nachteile. Die negativen Seiten merkt man vor allem im Zusammenhang mit der Bürokratie. Im persönlichen Kontakt mit den Leuten eher seltener.“

„Im Iran feiern wir den Winteranfang mit einer ganz speziellen Zeremonie. Die Nacht vom 21. Auf den 22. Dezember ist die längste und dunkelste Nacht des Jahres. Auf Persisch nennen wir sie Shabe Yalda. Die ganze Familie kommt zusammen, es werden vor allem Granatäpfel und Melonen zum Essen serviert. Granatäpfel sind ein besonders wichtiges Symbol in der persischen Tradition. Man findet sie überall in Teppichen, Handarbeit, Malereien. Die Melonen sind ein Symbol für den Sommer, der nun endgültig vorbei geht. Es werden auch Gedichte vorgelesen. Vor allem von Hafiz. Er ist der Iranische Goethe. In dieser kalten Zeit gibt einem dieses Fest unglaublich viel Wärme. Bisher habe ich es noch nicht in Berlin gefeiert, aber vielleicht dieses Jahr.“

Photo: Carla Hustedt

3,765 km von Zuhause entfernt
Niloofar
Beschäftigung: 
Soziologin
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Iran, Islamische Republik

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This migrant's life story touches on the following Sustainable Development Goal(s):