Peter

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Photo credit: Carsten Busch

472 km von Zuhause entfernt
#iamamigrant
"Ich sehe meinen Migrationshintergrund als etwas Positives, eine Bereicherung und schlicht einen Teil von mir."
Peter
Beschäftigung: 
Journalist
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Polen

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„Ich habe als Kind mit 4 Jahren Polen verlassen, das war im Sommer 1989. Wir hatten die Erlaubnis Verwandte in Deutschland zu besuchen, und sind danach nicht zurückgekehrt – meine Eltern hatten es in Polen nicht mehr ausgehalten. Sie hatten einfach gemerkt, dass es dort nicht weiterging. Was 1989 noch passieren würde, wussten sie ja nicht.“

„Meine Eltern sind also mit zwei kleinen Kindern und zwei Gepäckstücken in ein fremdes Land gegangen, um ein neues Leben zu beginnen. Ich bin ihnen dafür sehr dankbar. Denn auch wenn der Eiserne Vorhang kurz darauf fiel: Deutschland ist für mich der bessere Ort, ich konnte hier viel freier aufwachsen.“

„Für meine Eltern war die Ankunft in Deutschland zunächst ein Schock. Wir sind Schlesier, also deutschstämmig, und in Polen waren wir auch immer „die Deutschen“, so haben meine Eltern sich auch selbst gesehen. Aber dann kamen wir her, und ihre Deutschkenntnisse reichten nicht einmal aus, um die Menschen zu verstehen. Zudem waren wir in Deutschland sofort „die Polen“. Diese Lücke konnten meine Eltern nie schließen – mal die Polen, mal die Deutschen zu sein, aber nie dazuzugehören.“

„Diese Erfahrung wollten meine Eltern mir und meinem Bruder ersparen. Sie haben also aufgehört, Polnisch zu sprechen, auch untereinander. So haben wir sofort alle Deutsch gelernt, aber mein polnischer Wortschatz ist der eines Kindes. Leider.“

„Ich selbst habe mich zwar sehr schnell als deutsch wahrgenommen, aber von außen wurde mir oft etwas anderes zugeschrieben. Polen hatten zu der Zeit ein schlechtes Standing in Deutschland und ich wurde von anderen Jugendlichen zum Beispiel in der Jugendfeuerwehr oft rassistisch beleidigt.“

„Ich sehe meinen Migrationshintergrund als etwas Positives, eine Bereicherung und schlicht einen Teil von mir. Wenn jemand fragt, sage ich, dass ich Pole sei, aber in Deutschland aufgewachsen.“

„Ich habe natürlich eine besondere Verbindung zu Polen. Meine Wiege steht da. Punkt. Es ist aber nicht meine Heimat. Ich kann mich mit dem Land auch nicht identifizieren.“

„Für mich war die Migration der Start in ein wunderbares Leben voller Freiheiten und Möglichkeiten. Diese Freiheit ist für mich nach wie vor sehr wichtig – und als Deutscher und auch Europäer habe ich sie und genieße sie.“

Dies ist eine Geschichte von Christine Strotmann.

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