Sylwia

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Foto: Peter Käser

810 km von Zuhause entfernt
„Alles war offen, alles war neu, alles wuchs und wurde von Tag zu Tag besser.“
Sylwia
Beschäftigung: 
Marketing Manager
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Polen

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„Mein Berufsleben startete ich nur wenige Jahre nach der Wende in Polen. Das war eine großartige Zeit. Alles war offen, alles war neu, alles wuchs und wurde von Tag zu Tag besser. Aber ich war zu jung und unerfahren um all diese Prozesse zu verstehen.“

„Ich hatte nie geplant ins Ausland zu gehen um zu arbeiten, denn es gab keinen Grund dafür. Ich hatte ein komfortables Leben, hatte alle Annehmlichkeiten der neuen Oberklasse.“

„Nach neun Jahren in einer internationalen Firma wollte ich eine Veränderung. Ich fand wieder eine sehr gute Stelle. Kurz bevor ich die neue Stelle antreten sollte, wurde mir mitgeteilt, dass diese Abteilung kurzfristig von Warschau nach München transferiert werde. Man gab mir eine Woche Zeit um mich zu entscheiden, ob ich die Stelle trotzdem annehmen wolle. Das war eine sehr schwierige Woche für mich. Schließlich entschied ich mich den Job anzunehmen und nach München umzuziehen.“

„Da kam ich nach Deutschland und fand alles sehr verschieden von Polen. In Polen kämpfen die Leute am Arbeitsplatz oft gegeneinander, in Deutschland wird mehr kooperiert. Das gefiel mir sehr. Auch bezüglich des Lebensstils gab es einen großen Unterschied. Hier achtet man auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Nach den Bürostunden lässt man die Arbeit sein und unternimmt verschiedenste Freizeitaktivitäten. Am Sonntag sind alle Läden geschlossen und alles ist auf Freizeit getrimmt. In Warschau sind die Läden auch sonntags geöffnet, aber weil ich auch sonntags gearbeitet habe, hatte ich kaum Zeit einzukaufen.“

„Ich habe mich sehr gefürchtet hierher zu kommen. Auf Grund der geschichtlichen Vorkommnisse wurde uns immer erzählt wie böse die Deutschen seien. In Magazinen habe ich die Meinung der Deutschen über die Polen gelesen, dass wir Autos stehlen, Prostituierte seien oder nur zum Putzen oder als billige Arbeiterinnen in Altenheimen gebraucht würden. Ich befürchtete, dass auch ich so behandelt würde. Aber welche Überraschung, ich wurde herzlich empfangen und alle waren freundlich zu mir. Ich fühlte mich mit meinen Arbeitskollegen wie in einer Familie - nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in der Freizeit. Das habe ich sehr genossen. Wir hatten viel Spaß.“

 

Notiert und fotografiert von Peter Käser, www.peterkaeser.ch

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