Tayyib

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"Wir Menschen mit mehreren Hintergründen können Brückenbauer sein."

“Ich bin Deutsch-Türke. Meine Großeltern kamen in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei hierher. Für mich hat sich da nie die Frage gestellt: Bin ich Deutscher oder Türke? Ich bin beides.“ „Ich finde auch beide Staaten gut. Das heißt aber nicht, dass ich alle Entwicklungen in ihnen befürworte.“

„Migration ist in einer globalisierten Welt vollkommen normal. Die Welt ist verflochten, zum Beispiel durch die Märkte. Als ich in Hong Kong ein Auslandssemester gemacht habe, merkte ich das auch: Viele Kollegen hatten eigentlich zwei Herkünfte. Es gibt interkulturelle Ehen, Kinder mit verschiedenen Herkünften. Das schafft Vielfalt, die bereichert - wirtschaftlich, kulturell und politisch.“

„Meine Mutter hat immer den Fokus darauf gelegt, dass wir Vorbilder sein sollen, damit es keinen schlechten Rückschluss auf die Gruppe der Deutsch-Türken gibt. Ich finde das gut und verständlich, aber auch schade, dass ich mich aufgrund meiner Herkunft anders verhalten sollte.“

„Die Schwierigkeit, Vielfalt als Bereicherung zu sehen, erledigt sich meist ja mit Kontakt. Ich fände es zum Beispiel gut, wenn noch mehr junge Menschen einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland verbringen würden, nicht nur Studierende.“

„Wir Menschen mit mehreren Hintergründen können Brückenbauer sein. Ich setze mich zum Beispiel stark für den deutsch-türkischen Dialog ein. Die Beziehungen sind nicht auf allen Ebenen gut, obwohl wir eigentlich eng vernetzt sind: Es leben 3 Millionen türkischstämmige Menschen in Deutschland, viele Deutsche verbringen ihre Ferien in der Türkei und wir haben enge wirtschaftliche Beziehungen – aber in der Zivilgesellschaft gibt es wenig Kontakte.“

„Ich bin bilingual aufgewachsen und würde das auch mit meinen Kindern so machen. Sprache schafft immer gleich Vertrauen.“

„Ich finde es erstaunlich, wenn jemand uns Deutsch-Türken auffordert, wir sollten uns integrieren – hier, in unserer Heimat. Ich habe das Gefühl, dass viele Debatten zum Thema Integration dramatisiert sind und an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigehen. Dabei sollten wir in unserer Demokratie mit den Menschen reden und nicht über sie."

„Ich glaube meine zweifache Herkunft hilft mir, andere Kulturen leichter zu verstehen und Unterschiede bewusster wahrzunehmen. Schließlich bin ich damit aufgewachsen, immer zu wissen, dass es nicht nur den einen Weg gibt eine Sache zu machen.“

„Für Deutschland würde ich mir insgesamt wünschen, dass man den Menschen mehr Mut macht, ihr Potential auszuschöpfen. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund können der Gesellschaft, dem Staat und auch der Wirtschaft einiges geben: Wer zwischen verschiedenen Gesellschaften lebt, bringt Offenheit und Innovationsbereitschaft mit.“

Dies ist eine Geschichte von Christine Strotmann.

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Tayyib
Beschäftigung: 
Absolvent
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Deutschland
Herkunftsland: 
Deutschland

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