Ghaith

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2,765 km von Zuhause entfernt
#iamarefugee
„Am meisten vermisse ich es, in Sicherheit zu sein.“
Ghaith
Beschäftigung: 
Business Development Manager
Derzeitiges Aufenthaltsland: 
Vereinigte Arabische Emirate
Herkunftsland: 
Syrien, Arabische Republik

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„Ich wollte schon herkommen, bevor der Krieg in Syrien ausbrach. Ich wollte ein besseres Leben, also bin ich ein Wirtschaftsmigrant. Aber jetzt kann ich nicht zurück, weil ich dann Militärdienst für das Regime leisten müsste.

Einerseits habe ich Glück gehabt, weil die meisten meiner Angehörigen Syrien schon vor langer Zeit verlassen haben. Anderseits ist es sehr schwer, weil wir auf der ganzen Welt verteilt sind. Meine Eltern und ein Bruder leben in Saudi-Arabien, meine Schwester ist in der Türkei und mein anderer Bruder ist gerade in die USA gezogen.

Es ist sehr schwer für uns, an einem Ort zu sein – Ich konnte für die Hochzeit meiner Schwester in der Türkei kein Visum bekommen. Jetzt hatten wir geplant alle gemeinsam in die USA zu ziehen, aber es scheint unwahrscheinlich, dass wir nun dafür Visa bekommen.

Meine Situation in den Arabischen Emiraten ist sehr schlecht. Mein Visum hängt von meiner Arbeit ab, verliere ich also meinen Job, muss ich ausreisen. Die Menschen hier nutzen die Situation der Syrer aus. Sie wissen, dass wir die Jobs brauchen, nur um zu überleben, nur, um nicht in den Krieg gehen zu müssen, also verdienen wir viel weniger und arbeiten viel mehr. Hier hängt alles mehr von deinem Pass ab, als von deinen Fähigkeiten. Menschen mit europäischen Pässen verdienen das Doppelte oder Dreifache wie wir.

Ich komme momentan klar. Ich bin Single und muss nur für mich selbst sorgen. Aber es ist unmöglich, hier eine Familie zu haben. Einer meiner Freunde aus Syrien brachte seine Familie hierher. Er macht sich so viele Sorgen, wie er die Rechnungen zahlen soll, die Schule, alles. Er sieht so alt aus.

Ich fühle, dass ich als Syrer in der arabischen Welt den Menschen nicht trauen kann. Die Menschen hier würden mich einfach sterben lassen. Also suche ich nun nach einer Lösung, nach einem besseren Ort.

Wir hatten in Syrien nie eine gute Zukunft. Dennoch denke ich, dass viele von uns zurückkehren werden, um das Land wiederaufzubauen – mit den Fähigkeiten, die wir im Ausland gesammelt haben.

Ich vermisse es am meisten, in Sicherheit zu sein. Jetzt kann ich in Syrien nicht sicher sein, aber auch nirgendwo sonst. Ich habe kein Sicherheitsnetz.

Die Kultur hier ist sehr anders. In Syrien, sogar in den Großstädten, kannten die Menschen ihre Nachbarn, hier interessiert das keinen. Ich weiß nicht, wie ich mich in die Gesellschaft in den Emiraten integrieren soll, es gibt wenige Emiratis hier, und die leben in einer geschlossenen Gesellschaft.

Wir Syrer wurden von dem Ort vertrieben, den man Heimat nennt. Aber jetzt versuche ich, vor allem die positiven Einflüsse der Migration auf mein Leben im Auge zu behalten: Ein Migrant zu sein bedeutet, sich Herausforderungen zu stellen, gedrängt zu werden, schneller zu wachsen - in meinem Wohlfühlbereich wäre das nicht passiert. Dennoch: Ich bin jung und gut ausgebildet. Für andere Menschen kann es verheerend sein: Diesen Druck zu fühlen, deine Hoffnungen, Pläne und ganze Existenz zerstört zu sehen.“

 

Dies ist eine Geschichte von Christine Strotmann.

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